Der Rizinus - Ricinus communis L.

Quelle: Bild: Isolde Altersberger, Henriette Kress

Der Rizinus – auch Wunderbaum genannt - ist die einzige Pflanzenart der Gattung Ricinus in der Familie der Wolfsmilchgewächse. Die Heimat des Rizinus sind die Tropen und Subtropen, ursprünglich ist er in Nordostafrika und im nahen Osten zu Hause. Die Größe des Rizinus ist abhängig vom Klima und reicht von 1 bis 2 m Höhe in den gemäßigten Zonen bis zu 13 m in den Tropen. Importiert wird die Droge hauptsächlich aus Brasilien, China, Indien, Thailand und Paraguay.

Die stark giftigen Samen sitzen in kugeligen, 1 bis 2,5 cm großen Kapseln. Verwendet wird das aus den Samen durch Kaltpressung gewonnene Öl. Da es immer wieder zu Vergiftungen vor allem bei Kindern kommt, wird empfohlen, die giftige Pflanze nicht dort wachsen zu lassen, wo sie Kindern leicht zugänglich ist.

Woher kommt der Name?
"Ricinus" bedeutet im Lateinischen "Zecke": die Samen des Rizinus ähneln in Form, Farbe und Zeichnung dem vollgesaugten Hinterleib einer Zecke.

Anwendung:
Rizinusöl wird aufgrund seiner hohen Dichte und Viskosität vornehmlich als Hilfsstoff in der Arzneimittel- und Kosmetikindustrie eingesetzt. Es ist frei von den im Samen enthaltenen Giftstoffen.

Medizinisch dient es zur kurzfristigen Behandlung von Verstopfung (Obstipation). Das wirksame Prinzip ist die Ricinolsäure, die im Dünndarm durch Pankreaslipasen und Gallensalze freigesetzt wird und ähnlich der Anthrachinone eine Zunahme des Wassergehaltes des Stuhls bewirken. Zusätzlich wird die Prostaglandinsynthese stimuliert, daher verbietet sich die Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit. Die Wirkung tritt je nach Dosierung zwischen 2 und 8 Stunden ein (2 Esslöffel bzw. ein Teelöffel).

Rizinussamen enthalten auch das hochgiftige Glykoprotein Ricin sowie starke Allergene.

Dosierung:
Als Abführmittel 10 bis 30 ml (1 bis 2 Esslöffel) Rizinusöl auf nüchternem Magen einnehmen. Die Wirkung tritt nach 2 bis 4 Stunden ein. Eine geringere Dosierung bewirkt einen verzögerten Wirkungseintritt.

Zubereitungen:
Zubereitungen aus den Rizinussamen sind in der Homöopathie gebräuchlich. Rizinusöl wird sonst vornehmlich in der Arzneimittel- und Kosmetikindustrie als Hilfsstoff zur Herstellung von Cremes, Salben, Lippenstiften, Wimperntusche, Schaumbädern u.a. verwendet.

Hinweise:
Nicht anwenden bei Kindern unter 12 Jahren!

Nicht anwenden während Schwangerschaft und Stillzeit!

Nicht anwenden bei Bauchschmerzen unbekannter Ursache, bei Darmverschluss und akut-entzündlichen Erkrankungen des Darms!

Nur anwenden, wenn die Verstopfung auf andere Maßnahmen, z.B. Ernährungsumstellung, Einnahme von Quellmitteln z.B. Leinsamen, nicht anspricht!

Nur kurzfristig anwenden!

Bei anhaltender Verstopfung oder Stuhlunregelmäßigkeiten oder unklaren Beschwerden im Magen-Darm-Bereich ist eine Abklärung der Ursachen durch einen Arzt erforderlich!

Die Einnahme von Rizinusöl kann bei empfindlichen Personen zu allergischen Hauterscheinungen führen. Es können insbesondere bei höherer Dosierung Magenbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen auftreten.

Die abführende Wirksamkeit des Rizinusöl ist von einer intakten Fettverdauung abhängig. Daher ist bei gestörter Fettverdauung keine Wirkung möglich.

Rizinussamen enthält u.a. das hochgiftige Glykoprotein Ricin. Bereits 5 bis 6 Samen können für Kinder tödlich sein. Da erste Vergiftungserscheinungen erst nach mehreren Stunden auftreten und eine Giftentfernung lebensrettend sein kann, sollten auch in Verdachtsfällen sofort medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden. Erste Symptome einer Vergiftung sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfälle, später können Fieber, Leberschädigung und Nierenversagen auftreten. Der Tod tritt durch Kollaps oder Lähmung des Atemzentrums ein.

Rizinussamen enthalten auch starke Allergene. Das Einatmen pulverisierter Samen oder Hautkontakt führt in vielen Fällen zu allergischen Erkrankungen.